Eine Ausstellung über Pflanzen in Töpfen. Oder wie das Grün in’s Haus kam.

Ich mag Pflanzen. In der Natur, im Garten, im Haus. Ganz besonders mag ich Pflanzen, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch eine Geschichte haben. Während meines Studiums schenkte ich der Geschichte der Gärten und Pflanzen viel Aufmerksamkeit. Leider standen damalige Studienordnungen einer weitergehenden Beschäftigung mit diesem Thema im Wege. Grenzüberschreitenden Studien wurden damals alle Knüppel in den Weg gelegt, die am Rande dieses Weges zu finden waren. Sowohl vom eigenen Prof. wie auch von denen der relevanten Fächer anderer Disziplinen.

Doch weil mir Pflanzen mit Geschichte am Herzen liegen, befasste ich mich weiter mit ihnen. Am liebsten mit denen, die etwas mit meiner Lebensgeschichte zu tun haben: Mit dem Buxus vom Balkon meiner Studentenbude in der Bonner Sternenburgstrasse, der in unserem Garten schon seit mehr als neun Jahren überlebt, obwohl ich mich nie besonders um ihn kümmere. Mit dem Thymian, den ich im Geburtsjahr unseres Sohnes im Luberon ausgrub, ihn ein paar Jahre im Topf mit mir herumtrug, um ihn vor neun Jahren in den Gartenboden zu Pflanzen. Bislang überlebte er jeden Frost. Besonders aber liegt mir eine Zimmerpflanze am Herzen, die schon mehrfach abnippeln wollte. Von der ich aber immer rechtzeitig Teile trennen konnte, um sie wieder zu neuem Leben zu erwecken. Warum? Weil mich diese Pflanze immer an die Zeit erinnert, als ich mich meine heutige Frau verliebte. Vor der Wohnung ihrer Pariser Concierge stand diese Pflanze. Als langsam klar wurde, dass Anke nach Bonn kommen würde, klemmte ich heimlich einen Steckling ab und tat mit Erfolg alles, was man tun muss, um aus einem Steckling eine Pflanze zu machen. Auch wenn sie nur eine Nebenrolle in unserem Pflanzenkosmos spielt, liebe ich diese Pflanze noch immer. Denn sie erinnert mich jeden Tag an den Beginn unserer Liebe, an Paris, an das Treppenhaus in der sie stand. An wunderschön durchgeknallte Zeiten.

Bestimmt bin ich nicht der Einzige, der solche Pflanzen in sein Herz geschlossen hat. Manche Pflanzen sind halt mehr, als bloß grün.

Alle Pflanzen haben eine Geschichte. Auch die Topfpflanzen auf Ihrem Fensterbrett. Die in Ihrem Zuhause oder Büro, ebenso wie die in den Orangerien oder Ihrem Gartencenter.

So entstand zusammen mit Gabriele Donder-Langer die Idee, eine Austellung zu realisieren, die Pflanzen in Töpfen in den Vordergrund rücken sollte. Oder vielmehr die Fragen: Wie kam eigentlich das Grün in’s Haus? Seit wann gibt es überhaupt Pflanzen im Haus? Warum gibt es Pflanzen im Haus? Was würde uns fehlen, wenn in unseren Büros keine Grünpflanzen stünden?
Eine interdisziplinäre Ausstellung also. Eine, die die Botanik mit Kulturgeschichten verknüpft und keine Scheu hat, botanische, soziologische, geographische, ethnologische mit historischen und wirtschaftsbezogenen Fragestellungen zu verknüpfen.

Eine Ausstellung jenseits aller Fachgrenzen und auch eine, die kein Museum braucht. Eine Ausstellung, die nah am Publikum sein soll. Ganz nah am Publikum. Das Thema legt nahe, dass es kaum besser als in Gartencentern präsentiert werden könnte. Da, wo es die Pflanzen zu kaufen gibt. Müssen kulturhistorische Inhalte immer in Museen präsentiert werden? Nee! Warum?

Eine Ausstellung zur Geschichte der Topfpflanzen an einem Ort, wo wir diese auch kaufen können, scheint da viel besser geeignet. Im Garten-Center. Ich kann mir kaum eine bessere Win-Win-Situation vorstellen als diese. Das Gartencenter wird per Ausstellung kulturell aufgewertet und kann Pflanzen mit Geschichte(n) verkaufen. Und wir Kunden könnten beim Kaufen noch ‚was lernen. Ich bin mir sicher, dass es Gartencenter gibt, bei deren Kunden dieses Ausstellungsformat sehr gut ankommen würde.

Verstehen Sie, welches Potential in dieser Idee steckt? Wer macht mit, diese Idee zu realisieren oder steuert weitere Ideen bei?

Wenn Ihnen etwas zum Thema einfällt, zögern Sie nicht, eine Mail an museologie@gmx.de zu senden.

Ein Traum? Ausstellungen, in denen man etwas für den Alltag lernen kann

Jajaja, bleiben Sie ganz ruhig, ich weiß ja, dass man in allen Ausstellungen etwas lernen kann. Dafür werden sie ja schließlich gemacht. Mal mit viel, mal mit weniger Geld. Nein, ich will ja gar nicht in Zweifel ziehen, dass man in all diesen Ausstellungen interessante Dinge sehen und etwas lernen kann. In den kulturgeschichtlich oder technikorientierten Museen sowieso. Sogar in Kunstausstellungen kann man mancherlei lernen. Nicht zuletzt, dass es darauf ankommt, richtig hinzugucken und die richtigen Fragen an das zu stellen, was man dort sieht.
Klar, Ausstellungen können einem wunderbare Erlebnisse bescheren. Mein Mammut im Mindener Museum (1968), mein „erster“ Van Gogh im Kröller- Müller (ca. 1978), das Museon Arlaten (1981) oder etwa die „Pharaonen-Dämmerung“ in Berlin (1991) werden mir ewig im Gedächtnis bleiben, weil sie mein Denken geprägt haben. Sie taten das, weil sie mich in Ruhe das entdecken ließen, was ich entdecken wollte. Ohne jeden pädagogischen Zwang.
-Cut-
Wenn ich von meinem Chefberater (11 Jahre) lernen will, dann stelle ich fest, dass ihn all das olle Zeugs nicht die Bohne interessiert. Warum auch? Ich habe auch keinen Bock mehr, ihm beizubringen, welche technischen Revolutionen auf dem Gebiet der Steinwerkzeuge mich faszinieren und welch großartige Leistungen den Bau von Kathedralen möglich machten. Mag ja sein, dass er mit den Jahren seine Einstellung noch verändert. Ich werde nicht nachlassen an ihm zu arbeiten. Versprochen! Und sicher wird er irgendwann einmal verstehen, was ich ihm sagen wollte. Aber heute interessiert ihn das nicht. Und eigentlich ist das auch richtig so. Denn welche Bedeutung haben Faustkeile und Architekturdetails gotischer Kathedralen für sein Leben? Keine!

Und da bin ich endlich bei dem Thema, auf das ich hinaus wollte: Ausstellungen, in denen man etwas lernen kann, was wirklich lebensrelevant ist. Ausstellungen, die nicht in erster Linie dazu dienen, ihre Besucher als besonders qualifizierte Kulturmenschen erscheinen zu lassen. Die Ausstellungen des Rautenstrauch-Joest-Museum /Köln in den 1980er Jahren „Rausch und Realität – Drogen im Kulturvergleich“ und „Die Braut – geliebt, verkauft, getauscht, geraubt. Zur Rolle der Frau im Kulturvergleich“ machten deutlich, wie lehrreich Kulturvergleiche sein können. Gerade in einem Einwanderungsland wie der Bundesrepublik Deutschland. Sie gaben ein Muster vor, das auch heute noch gut funktionieren würde. Anknüpfend an das Bekannte, das Unbekannte aufzeigend. Gut inszeniert den Alltag hinterfragend. Es ist mir völlig unverständlich, warum es dieses Format nicht mehr gibt.

Das Spektrum der Themen, die in kulturvergleichender Perspektive in Ausstellungen aufbereitet werden könnten, ist schier grenzenlos. Es umfasst das ganze Leben in all seinen Facetten. Die Globalisierung ist allgegenwärtig. Schauen Sie sich mal auf den Schulhöfen unseres Landes um. Unter den Kindern dort ist sie schon selbstverständlicher Bestandteil ihres Alltags. Warum greifen unsere Museen das nicht auf, und setzten das in Themen um, die alle Bewohner dieses Landes interessieren? Die Eingeborenen und die Zugewanderten. Beide wollen etwas über „die Anderen“ erfahren.

An so einer Ausstellung würde ich gerne mal mitwirken. An einer Ausstellung, die Menschen zusammen bringt. An einer Ausstellung, die nicht dazu dient, Dünkel zu bedienen oder den Wert von Sammlungen zu steigern, sondern integrativ wirkt. Eine Ausstellung, die so intellektuell ist, dass sie es wagt, in ihren Fokus den liebevollen Umgang aller Menschen untereinander zu stellen – und ihnen klar zu machen, warum sie so ticken, wie sie ticken. Einfach nur, um aufzuzeigen, wie toll es ist, dass jeder Jeck anders tickt und wie nützlich diese Vielfalt sein könnte, wenn man sie zuliesse.

Ein Ausstellungthema, das an die oben genannten anknüpfte, wäre etwa: „Die Familie oder Wen hasse ich am liebsten?“ Eine Ausstellung über Familienentwürfe in aller Welt. Wie sahen sie vor 100 Jahren aus und wie entwickeln sie sich mit der Globalisierung? Gab es nicht schon immer Patchwork-Familien und wie sieht das Leben in einer multikulturellen Familie aus? Lust und Last. Braucht es überhaupt eine Familie, um glücklich zu werden? Ein höchst spannendes Ausstellungsthema, wie ich finde.

P.S.: „Alle Welt: Im Museum“, das Projekt des Deutschen Museumbundes ist ein Anfang in die von mir gemeinte Richtung. Möge es kein Alibi bleiben, viel Aufmerksamkeit erregen und Ausstellungen hervorbringen, die im besten Sinne des Wortes lehrreich sind.

Ausstellungen, die Kindern nicht gefallen, sind schlechte Ausstellungen

Die, die mir schon länger auf Twitter, Facebook oder in meinem Blog „Kulturelle Welten“ folgen, wissen, dass ich seit Jahren einen Chefberater habe: Meinen Sohn, der inzwischen 11 Jahre alt ist. Ein wacher Kerl, der aufmerksam die Welt beobachtet. Meiner Frau und mir schnell alles erklären kann, was mit iPads und iPhones und anderen Dingen zusammenhängt, die ein Gefühl für Technik erfordern, das Menschen der Generation 50+ nicht immer haben. Ein Typ, der zu allem eine Meinung hat, was mich nicht wundert, weil ich ja sein Vater bin. Und mir – nach meinem Geschmack – manchmal viel zu diplomatisch und zurückhaltend seine Meinung zu Ausstellungen nahezubringen versucht, weil er Rücksicht darauf nimmt, dass ich ein Museumsfreak bin.

Glauben Sie mir, ich habe ihn schon im Kinderwagen durch Museen geschoben und alles unternommen, ihm Museen schmackhaft zu machen. Wir besuchten diverse Science Center und Ausstellungen von denen man annehmen sollte, dass sie Kindern Freude machen sollten. Solche zur Geschichte (Römer, Neandertaler etc.), Ausstellungen über Astronauten, Dinosaurier, ein Gefängnismuseum, ein Schloss mit beeindruckenden Filmen von Peter Greenaway (Amerongen) und was nicht noch alles. Ein einziges Mal war er von einem musealen Ort wirklich begeistert. An einem Ort, wo ich das nicht erwartet hätte. Das war das Panorama Mesdag in Den Haag. Selbst das danebenliegende Museum voor Communicatie, dass ich nun wirklich gut geeignet für Kinder finde, konnte dagegen nur wenig punkten. Viele Worte, manche kenn‘ ich, Toilette 20 Pfennig. Mein Chefberater ist nach allen Erfahrungen, die er gemacht hat, aktuell der festen Ansicht, dass Museen wenig freudvolle Orte sind. Jedenfalls keine Orte die FiFa 13 oder anderen Apps auf seinem iPod das Wasser reichen könnten. „Museen braucht keiner“, würde er heute wohl antworten, wenn man ihn danach fragen würde. Seine für mich bedeutsamste Feststellung der letzten Jahre, etwa mit acht Jahren: „Ja Papa, ich versteh ja, dass Du auf Dinosaurier stehst. Aber weißt Du, die sind schon lange tot. Und deswegen finde ich die blöd.“ Eine Aussage, die ja durchaus ihre Berechtigung hat. Warum sollen wir uns eigentlich mit Dingen und Fragestellungen befassen, die keinerlei Bezug zu unserem Leben heute haben?

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Nur die, deren Kinder immer das tun, was sie tun sollen, um später etwa einen Job in einer großen Bank zu bekommen, können das nicht nachvollziehen. Mit den Jahren verstehe ich meinen Berater immer besser. Auch, wenn seine Urteile mir manchmal weh tun und ich sie zuweilen als ungerecht empfinde. Das Geld, dass wir ihn investieren ist dennoch gut angelegt. Er tickt noch rein und sauber. Für ihn sind Orte der kulturellen Bildung, Orte die Freude machen müssen, um von ihm anerkannt zu werden und ihr Geld wert zu sein. Die Orte, die andeuten, dass man da was lernen soll, werden sowieso schon mal abgelehnt. Museale Angebote für Kinder, wie Fragebögen und andere „Schatzsuchen“ gehen da gar nicht. Zum einen, weil er unter der Woche schon seinen Job gemacht und seine Hausaufgaben erledigt hat. Zum anderen, weil er sie als etwas empfindet, die seinem Selbstverständnis nicht entgegenkommen. Er will als vollwertiger Besucher wahrgenommen werden und nicht als Kind. Das kann ich gut nachvollziehen. Nur weil man Kind ist, muss man ja nicht debil sein. Doch das suggerieren die Kinderangebote in vielen unserer Museen. Allein schon weil es sie gibt.

Bei allen meinen bisherigen Aufträgen habe ich versucht, die Auftraggeber davon zu überzeugen, etwas in die Ausstellungen einzubauen, das auch Kindern Freude bringen könnte. Einen Kinderpfad etwa. Wurde immer abgelehnt. Wie mir scheint, aus Gründen, die etwas mit kulturellem Dünkel zu tun hatten. Mein Hauptargument, dass Eltern nur Freude haben können, wenn auch die Kinder zufrieden sind, wirkte nie überzeugend genug. Naja, der Dünkel und der fehlende Mut sich gegen die Mischpoke der Kulturhoheiten aufzulehnen, macht das ja auch wirklich nicht leicht.

Heute würde ich eher darauf drängen, die Ausstellungen so zu gestalten, dass alle Menschen, die frei von Dünkel und sozialen Abgrenzungsbemühungen sind, wie z.B. Kinder, sie so gut finden, dass sie sie gerne besuchen. Einfach nur wegen des Erlebnisses, die gute Inszenierungen bieten. Wie etwa das vollkommen pädagogigfreie Panorama Mesdag. Vielleicht auch das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln und die vielen Industriemuseen des LVR oder des LWL. Da merkt man oft gar nicht, dass man was lernen darf. Man tut es aber gerade deswegen. Nicht zuletzt, weil das Orte sind, die authentisch wirken. Orte, wo man entdecken darf, was man entdecken will. Wo man sehen kann, was man sehen will. … In einem stimmungsvollen Ambiente, dass über Gefühle Gedanken anregt. Mehr nicht. So einfach. So gut.

Eintauchen in KunstKulturTraumwelten: Räume machen’s möglich

Einer der ersten Blogartikel, die ich jemals schrieb, war der Cathédrale d’images in Les Baux/Provence gewidmet. (Heute firmiert dieser Ort unter „Carrières de Lumières“, hat sich aber kaum verändert) Einem Ort, über den ich als kunstinteressierter Tramper per Zufall 1979 auf meinem Weg nach St. Remy-de-Provence gestolpert bin. Warum ich nach St. Remy wollte? Natürlich, um eine der Lebensstationen Vincent van Gogh’s zu besuchen. Auf dem Weg dorthin blieb ich in Les Baux „kleben“. Bestimmt war es kein Zufall, dass im Inneren der „Bilderkathedrale“, damals Bilder von Van Gogh gezeigt wurden.

Und wie! So etwas hatte ich damals noch nie gesehen und bis heute auch nur dort, übrigens. Projektionen, die wandfüllend alle prominenten Gemälde van Goghs zeigten. Was sage ich? Nicht bloß wandfüllend. Raumfüllend! So raumfüllend, dass man sich – heute kann man das so sagen, damals fehlten mir die Worte – wie ein Pixel im Bilderkosmos von van Gogh fühlen konnte. Als Besucher in einer atemberaubenden Welt der Farben und Emotionen. Mit changierenden Bildern, die nach Minuten den Raum/die Räume wieder völlig neu erscheinen ließen. Mal gaben die Farben der Kartoffeln den Ton an. Mal waren es die grünen Zypressen und dann das satte Gelb der zahlreichen Felder und Sonnenblumen in seinem Werk. Die Exterieurs wechselten mit Interieurs ab. Was auch immer gezeigt wurde: Es war einfach nur atemberaubend, betörend, wunderschön, beeindruckend und anregend.
Akustisch kommentiert wurde das Ganze mit Auszügen aus seinen Briefen, die einem die Bilder noch mehr ins Herz schossen und musikalischen Klängen, die in diesem Bauxit-Steinbruch große Wirkung entfalteten. Nach etwas mehr als etwa zwei Stunden taumelte ich in die Hitze der Provence zurück und eigentlich glaube ich bis heute noch nicht, was ich damals da gesehen habe. Wenn Sie mir nicht glauben, dann besuchen Sie die Carrières de Lumières doch mal selbst. 2013 gibt es da in ähnlicher Machart ein Programm zu sehen, das neben Monet, Renoir und Chagall noch viele weitere Maler in Szene setzt, die sich gerne am Mittelmeer und in der Provence aufgehalten haben. Das zum Hintergrund.

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Seitdem ich das gesehen habe, frage ich mich jedes Mal, wenn ich unsere großen Kunstausstellungshallen mit ihren mitunter riesigen Wänden besuche und immer, wenn ich etwas darüber lese, wie teuer Kunstausstellungen wegen Leihgebühren, Transport- und Versicherungskosten sind, warum nicht endlich mal ein Direktor den Schneid hat, so ein Bilderspektakel aufzuziehen. Die Höhe seiner riesigen Räume dazu nutzen, Faszination für Kunst zu erzeugen. Alle Wände in ihrer Gänze erstrahlen zu lassen. Nicht nur wegen der Faszination des Originals. Auch wegen der Faszination der Kunst, die keinen Rahmen und keinen Handel braucht, um großartig zu sein. In einer Weise, die sich weniger an die eingeweihten Kunstfreaks wendet, sondern eher an die, die bisher immer dachten, Kunst sei langweilig und sowieso nur was für die, die ARTE gucken und Austern lecker finden. Mit großen Bildern, emotional wirkenden RÄUMEN und mit verständlichen Kommentaren, die nicht klug, sondern erhellend wirken.

Videos:
Carrières de Lumières – Spectacle „Gauguin, Van… von culturespaces

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Sebastien Barre sah das Programm 2012 und machte dabei Fotos, die die Atmosphäre des Ortes gut vermitteln.

Van Gogh liegt da nahe. Zu nahe. Wie viele Künstler gibt es noch, die auf diese Weise dem GROSSEN Publikum näher gebracht werden könnten? Tote und noch lebende Künstler. Auch mit Themen. Themen, die berühren, weil sie wichtig sind. Themen, die einen Bezug zum aktuellen Leben haben. Dinosaurier sind das sicher nicht. Eher kommen die Themen aus dem Spektrum „Glaube, Liebe, Hoffnung“ in Frage. Womöglich auch solche, die junge, eher kunstferne Menschen interessieren. Themen, die die Entwicklung der Kommunikation aufgreifen. Warum keine Ausstellung, die „twitter und facebook“ zum Thema macht und dazu aufruft, noch kreativer zu werden? Höchst interaktiv. Auf großen Wänden kann man so viele Fantasien verwirklichen. In einem Spektrum, das weit über das hinausreicht, was der Bundeskulturminister für Kultur hält. Warum wagt keiner von denen, die für unsere großen Ausstellungshäuser -die Entwicklung unser Kultur- verantwortlich sind, etwas Ungewöhnliches, großartig Spektakuläres? Etwas Irritierendes, womöglich sogar Betörendes?

[Background dieses Artikels: Materiell und architektonisch hat mich die Architektur der Kunst- und Ausstellungshalle/Bonn schon immer an den Steinbruch in Les Baux erinnert. Gustav Peichl womöglich auch. Möge Rein Wolfs den Esprit haben, den Wert der von ihm zukünftig bespielten Wände und Räume mehr zu nutzen als seine Vorgänger.]

P.S.: Hoffentlich ist niemand böse, dass ich das Einfügen von Fotos und Videos noch nicht richtig verstanden habe.😉

P.P.S. und übrigens: Gianfranco Iannuzzi mit seiner Mannschaft realisiert diese wunderbaren Bilderwelten. Der oben geschilderte Gedanke ist ausserdem weniger originell, als ich dachte. Im Frühjahr 2013 gibts in Chile und Israel Ausstellungen in diesem Format zu sehen.

Willkommen in meiner Traumwelt

Die, die unter den schwierigen Bedingungen der allgegenwärtigen Einsparungsmaßnahmen versuchen müssen, interessante Ausstellungen zu realisieren, haben’s nicht leicht. Die fetten Jahre sind schon lang vorbei und wenn gespart werden muß, dann kommt an erster Stelle die Kultur auf’s Tableau. Am leichtesten fallen die Einsparungen, wegen meist schlechter Lobby-Arbeit, bei kleinen Kulturbetrieben und den Museen.

Offen gestanden: Ich möchte nicht in der Haut eines Museumsdirektors stecken, der heute ein Museum bespielen soll, dessen Ton der Stadtkämmerer angibt. Das macht sicher mehr Ärger als Freude. Welcher Museumsdirektor hat heute noch Zeit, sich um seine Ausstellungen zu kümmern? Keiner! Die Hauptaufgabe der Direktoren ist die Politik. Die wirkliche Arbeit machen die, die ihnen unterstellt sind. War’s eine erfolgreiche Ausstellung, dann war’s der Direktor. Ging ‚was schief, dann waren’s die Subalternen. Wo auch immer man auf dieser Leiter steht, Freude kann man gegenwärtig wohl auf keiner Stufe empfinden. Der Druck ist groß. Der Spielraum klein.

Wie schön, wenn man als freier Kulturberater, damit nichts zu tun hat. Naja.😉 Sagen wir, wenn man mehr Freiräume hat als die, die festangestellt oder zeitlich befristet in Museen tätig sind. Sicher träumen auch die. Aber ich behaupte, dass ich freier träume.
Warum? Weil ich jenseits aller politischen und fiskalischen Zwänge träumen darf.

Wovon träume ich?

An erster Stelle natürlich von einer Festanstellung in einem Museum. — War’n Witz. Nee, natürlich nicht (mehr). Ich bin viel zu alt, viel zu dick und viel zu wenig blond, vielleicht auch viel zu vollbehaart, zu wenig stylisch und viel zu überzeugt von meinen Standpunkten, um für eine solche Stellung noch in Frage zu kommen.
So sehr ich das bedauere, so sehr gefällt mir, dass ich nun alles denken darf, was ich denken will. Ohne alle Beschränkungen.

Ich träume von Ausstellungen und Ausstellungsorten, die so in Szene gesetzt werden, dass jedem Besucher sofort klar wird, dass er die Oase inmitten der Wüste musealer Vermittlungsbemühungen gefunden hat. Einen Ort weit jenseits der Orte, die dazu dienen, das Image der Bildungsbürger aufzubürsten.

Mein Museum wäre eher ein Ort, der angenehm wirkt, weil er frei von Dünkel ist, den allgegenwärtigen Wissenshunger befriedigt und Freude an Erkenntnis erzeugt. Ein Ort, wo alle Kinder gerne hingehen. Ohne Zwang! Mir schwebt ein Museum vor, das auf belehrende Attitüden verzichtet und vom Erlebnis zur Erkenntnis führt. Mit allen Mitteln, die den Ausstellungsmachern heute zur Verfügung stehen…

In diesem Sinne, soll dieser Blog wirken. Mir zum Vergnügen. Für Andere anregend oder womöglich irritierend. Ich will hier Ideen finden und sie an die weitergeben, die etwas mit ihnen anzufangen wissen. Jedes gute Museum, jede gute Ausstellung schafft Träume.

Meine Träume von guten Austellungen sollen hier, in diesem Blog, ihren Platz finden. Klauen Sie, was Ihnen gefällt und empfehlen Sie mich weiter, wenn sie fair sind.

Ihr verträumter
Jörn Borchert